Created: 13 Dec 2024
Last updated: 18 Jun 2025
Sechs Kategorien, in denen Führungskräfte Kreativität im Unternehmen beeinflussen
Teresa M. Amabile beschreibt in einem Beitrag die Schlussfolgerungen ihrer Forschung im Bereich Kreativität und Leadership.
Vorweg heißt es: Kreativität ist abhängig von Kreativen Denkfähigkeiten, Expertise und Motivation. Alle drei Aspekte ließen sich als Führungskraft eines Unternehmens beeinflussen.
Dazu geht sie im Detail auf sechs unterschiedliche Kategorien ein:
- Herausforderung
- Es ist eine täuschend einfache Aufgabe, Menschen mit den richtigen Aufgaben zusammenzubringen, die in Ihre Stärken spielen und ihre intrinsische Motivation anfeuern
- Es erfordert sehr detailliertes Wissen sowohl zur Aufgabe als auch zur Person, dennoch machen perfekte “Matches” unglaublich viel aus
- Freiheit/Autonomie
- Es geht vor allem darum, Freiheit in Bezug auf die Mittel bzw. den Prozess zu geben, aber nicht unbedingt in Bezug auf die Ziele
- Autonomie in Bezug auf den Prozess verstärkt die intrinsische Motivation und das Gefühl von Verantwortung
- Es erlaubt den Menschen auch, Probleme so anzugehen, dass sie ihr Fachwissen und ihre Fähigkeiten optimal nutzen können
- Mit anderen Worten: “Menschen werden kreativer sein, wenn man ihnen die Freiheit gibt, zu entscheiden, wie sie einen bestimmten Berg besteigen wollen. Sie müssen sie nicht entscheiden lassen, welchen Berg sie besteigen wollen.”
- Mitarbeitende sollten natürlich nicht grundsätzlich aus der Festlegung von Zielen ausgeschlossen werden, aber es muss verstanden werden, dass dies nicht zu einer Verbesserung des kreativen Outputs führt
- Ressourcen (Zeit und Geld)
- Siehe auch: Magisches Dreieck im Projektmanagement
- Unter bestimmten Umständen kann Zeitdruck die Kreativität steigern
- Aber: In Unternehmen wird die Kreativität routinemäßig durch vorgeschobene oder unmöglich einzuhaltende Fristen unterdrückt. Erstere schaffen Misstrauen, letztere führen zu Burnout. (Siehe auch: Effizienzstreben unterdrückt Kreativität)
- Kreativität braucht oft Zeit. Das Erforschen neuer Konzepte und Zusammensetzen innovativer Lösungen kann sehr langwierig sein. Manager, die keine Zeit für die Erkundung lassen oder keine Inkubationszeiten einplanen, stehen dem kreativen Prozess unwissentlich im Weg.
- Zusammensetzung von Arbeitsgruppen
- Es müssen Gruppen gebildet werden, die sich gegenseitig unterstützen und eine Vielfalt von Perspektiven und Hintergründen aufweisen, damit unterschiedliches Fachwissen und kreative Denkstile auf spannende und nützliche Weise kombiniert werden können
- Eine der häufigsten Praktiken, mit denen Manager die Kreativität unterdrücken, ist die Zusammenstellung homogener Teams. Die Verlockung, dies zu tun, ist groß. Homogene Teams kommen oft schneller und mit weniger Reibung zu “Lösungen”. Auch die Arbeitsmoral dieser Teams ist oft hoch. Aber homogene Teams tragen wenig dazu bei, Fachwissen zu erweitern und kreatives Denken zu fördern. Alle kommen mit einer ähnlichen Einstellung an den Tisch. Sie verlassen den Tisch mit der gleichen Einstellung.
- Ermutigung und Wertschätzung
- Manager stehen unter Zeit- und Ergebnisdruck. Daher fällt es ihnen leicht, Lob für kreative Leistungen – nicht nur für kreative Erfolge, sondern auch für erfolglose Bemühungen – unter den Tisch fallen zu lassen.
- Der Zusammenhang mit der intrinsischen Motivation ist hier klar. Sicherlich können Menschen ihre Arbeit auch ohne Anfeuerungsrufe interessant oder aufregend finden - für eine gewisse Zeit. Aber um eine solche Leidenschaft aufrechtzuerhalten, müssen die meisten Menschen das Gefühl haben, dass ihre Arbeit für das Unternehmen oder für eine wichtige Gruppe von Menschen von Bedeutung ist. Andernfalls könnten sie ihre Arbeit genauso gut zu Hause und zu ihrem eigenen Vorteil erledigen.
- Extrinsische Belohnungen können intrinsische Motivation untergraben. Manager in erfolgreichen, kreativen Organisationen bieten nur selten spezifische extrinsische Belohnungen für bestimmte Ergebnisse an. Sie erkennen jedoch die kreative Arbeit von Einzelpersonen und Teams großzügig an – oft, bevor die endgültigen wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Bemühungen bekannt sind.
- In vielen Unternehmen wird neuen Ideen nicht mit Aufgeschlossenheit begegnet, sondern mit langwierigen Bewertungen – oder sogar mit harscher Kritik.
- Diesem Phänomen liegt eine interessante psychologische Dynamik zugrunde. Forschungen zeigen, dass Menschen glauben, dass sie ihren Chefs gegenüber klüger erscheinen, wenn sie kritischer sind – und das funktioniert oft. In vielen Unternehmen ist es beruflich lohnend, kritisch auf neue Ideen zu reagieren.
- Kurzum: Innovation erfordert Raum für Scheitern
- Organisatorische Unterstützung
- Kreativität wird erst dann wirklich gefördert, wenn sie von der gesamten Organisation mitgetragen wird. Diese Unterstützung ist Aufgabe der Führungskräfte eines Unternehmens, die geeignete Systeme oder Prozesse einrichten und Werte vermitteln müssen, die deutlich machen, dass kreative Bemühungen oberste Priorität haben.
- Am wichtigsten ist, dass die Führungskräfte eines Unternehmens die Kreativität fördern, indem sie den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit sicherstellen und dafür sorgen, dass politische Probleme nicht auf die lange Bank geschoben werden.