Zettelkasten
Ein System aus vielen verschiedenen Zetteln bzw. Karteikarten, welche jeweils genau eine Idee, einen Gedanken, oder ein Konzept repräsentieren. Jede Karte hat eine einmalige ID, welche von jeder anderen Karte referenziert werden kann, um direkte Assoziationen und Verbindungen (Links) zwischen Ideen festzuhalten. Es ergibt sich ein komplexes Netzwerk von Wissen, welches unserem eigenen Verstand ähnelt.
Entwickelt von Niklas Luhmann, um ihm in seiner akademischen Forschung zu helfen:
Quelle: Niklas Luhmann-Archiv
Im Internet findet man viel Vages und Widersprüchliches, daher hier eine kurze Übersicht. Der Zettelkasten ist kein universelles Organisationstool für Informationen, sondern im Wesentlichen als Methode zum Lernen und Verarbeiten von neuem Wissen zu verstehen, die ein einfaches, aber mächtiges System zum Notizenschreiben nutzt.
- Grundlegendes:
- Prinzip: Link knowledge, not notes
- Atomare Notizen:
- Kontext-Unabhängigkeit:
- Assoziationen:
- Notizen verweisen auf andere Notizen (ursprünglich über einmalige IDs für jede Notiz, im Digitalen vereinfacht durch Wikilinks)
- Denn: Direkte Verbindung zwischen zwei Ideen ist stärker als (zufällige) Juxtaposition
- Assoziationen im Zettelkasten sollten explizit ausformuliert sein
- Strukturnotizen
- Neben atomaren Notizen benutzte Luhmann auch “Strukturnotizen” für z.B. übergeordnete Themen, um darauf eine Reihe von Links zu atomaren Notizen zu sammeln – diese Listen waren aber nicht unbedingt vollständig, sondern sollten lediglich Einstiegspunkte in das System bieten
- Fokus:
- Unendliche Neugier bedeutet unendlicher Konsum
- Folglich: Informations-Overload als Problem von Personal Knowledge Management
- Deshalb: Ein Zettelkasten sollte sich hauptsächlich auf Wissen konzentrieren, das für zukünftige Projekte relevant sein könnte
- Beziehungsweise: Projekte als Input-Filter im Personal Knowledge Management (siehe auch: 12 Lieblingsprobleme)
- Vorteile:
- Die Zettelkasten-Methode fördert eine tiefergehende Auseinandersetzung mit neuem Input: Allein die Praxis, neu aufgenommenes Wissen in den Zettelkasten zu integrieren, regt eine extrem tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Quellmaterial an, wodurch das eigene Verständnis davon verbessert wird
- Die Zettelkasten-Methode entfernt organisatorischen Aufwand: Es gibt keine hierarchische Ordnung der Zettel, wodurch kaum Verwaltungsaufwand entsteht (zumindest digital) – stattdessen entsteht die gesamte Organisation selbstständig (emergent) durch die genannten Links.
- Das resultierende Netzwerk ist ein Hypertext aus einzelnen Bausteinen, mit denen sich sehr einfach längere Texte zu verschiedenen Themen zusammensetzen lassen.
- Graph View motiviert dazu, mehr zu schreiben: Digitale Notiz-Anwendungen wie Obsidian eignen sich durch die Verwendung von Wikilinks optimal für die Implementierung eines Zettelkasten. Diese Anwendungen kommen oft auch mit einem “Graph View” – die Visualisierung des wachsenden Wissens-Netzwerks kann durchaus dazu motivieren, mehr Notizen zu schreiben.
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- Limitationen
- Das Denken mit dem Zettelkasten ist sehr langsam und energieintensiv
- Zettelkasten ist eher für Ideen geeignet, nicht für technische Informationen
- Eignet sich daher besser für Philosophie, Soziologie, usw. als für Informatik, Medientechnik, usw.
- Aber: man muss es nicht so eng nehmen, und kann neben “reinen” Zettelkasten-Notizen auch einfach Notizen zu Stichwörtern/Begriffen erstellen – solange man nicht anfängt einen privaten Wikipedia-Klon zu erstellen (was extrem sinnlos ist)
- Workflows:
- Software: Obsidian
- Assoziationen finden:
- Iterative Aufwertung der Notizen:
- Sonstiges:
- Andere Systeme: (Siehe: Personal Knowledge Management)
- Digital Garden: Ein Zettelkasten kann theoretisch als Digital Garden gesehen werden – letzterer ist aber eher messy/WIP, nicht wirklich atomar, und beinhaltet (kreativen) Output und blogartige Beiträge
- PARA: Wird oft mit dem Zettelkasten verglichen, behandelt aber eine fundamental andere Problemstellung und ist als universelles Informations-Management-System gedacht, nicht als Lernmethode/Denkumgebung
- Einführung:
- Diskurs:
- Finden von Assoziationen: (Zettelkasten.de, 2022) How To Use Creative Techniques Within the Zettelkasten Framework (Weblink)
- Mehr zu Assoziationen: (Zettelkasten.de, 2015) Different Kinds of Ties Between Notes (Weblink)
- PARA und Zettelkasten: (Zettelkasten.de, 2023) Building a Second Brain und die Zettelkasten Methode (Weblink)

